„Können Sie mir sagen, wie der normale Alltag in einem Gefängnis aussieht?“

oder:

„Stimmt es, dass die Gefangenen das Essen auf ihre Zelle gebracht bekommen und sie einen Fernseher haben dürfen? Soll das etwa Strafe sein?“

oder:

„Haben Sie keine Angst, wenn Sie mit einem Gefangenen sprechen? Die sind doch gefährlich! Oder werden die Gefangenen gefesselt zu einem Gespräch vorgeführt?“

Diese und andere praktische Fragen, aber auch Sinnfragen zum Strafvollzug werden  immer wieder gestellt, wenn ich in meiner Funktion als Anstaltsleiterin die Öffentlichkeit über meine Arbeit in der Justizvollzugsanstalt Münster oder über den Vollzugsalltag allgemein informiere. Ich stelle ein hohes sachliches,  auch inhaltliches Interesse fest und wenig Kenntnis über die Realität vor Ort und über die gesetzliche Zielsetzung des Strafvollzuges. Es gibt Öffentlichkeitstage, Vorträge und Informationsveranstaltungen seitens der Justizvollzugseinrichtungen. Trotzdem resultiert das Wissen der breiten Öffentlichkeit  vorrangig aus der medialen Berichterstattung: Den Menschen bleiben die Meldungen in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen, die sich mit besonderen Vorkommnissen in Gefängnissen (z. B. mit Ausbrüchen, Gewaltanwendungen oder mit besonders gefährlichen Inhaftierten) befassen, in Erinnerung. Diese Berichte geben ein einseitiges, oft auch ein verzerrtes Bild über den Justizvollzug und die Inhaftierten wieder. Die Normalität sieht jedoch ganz anders aus.

Der vorliegende Bildband soll am Beispiel der Justizvollzugsanstalt Münster einen kleinen Einblick in den Alltag eines Gefängnisses geben. Darüber hinaus soll die besondere Architektur der Anstalt Berücksichtigung finden, die in diesem Jahr 160 Jahre alt und durch einen Neubau ersetzt werden wird. Danach hat das heutige Gebäude Münster als Gefängnis ausgedient.

 

Leben auf Zeit. Alltag im Gefängnis

Herausgegeben von Maria Look. Fotografie Ansgar Dlugos, Texte Rolf Silwedel.

Erschienen im Verlag Kettler, Bönen.  ISBN 978-3-86206-255-3

Erhältlich im Buchhandel. EUR 19,90.